Rasen vertikutieren

Eine attraktive Rasenfläche ist ein Highlight im Garten, bedarf jedoch auch kontinuierlicher und vor allem richtig angewandter Pflege. Neben dem Düngen, Mähen und Wässern gehört auch das regelmäßiges Vertikutieren zur Grunderhaltung einer schönen Grünfläche unbedingt dazu.

Mindestens einmal jährlich sollte der Rasen vertikutiert werden, um Rasenfilz vorzubeugen oder bestehenden Rasenfilz effektiv zu bekämpfen.

Rasenfilz: Entstehung

Eine gesunde Rasenfläche benötigt Licht und Luft zum Atmen, sowie Wasser und Düngemittel zum Gedeihen. Im Laufe der Zeit bildet sich in der obersten Bodenschicht ein Rasenfilz. Dabei handelt es sich um eine dicht verwobene Schicht aus nicht verrotteten Pflanzenfasern, die je nach Pflegezustand stärker oder schwächer ausfällt.

Mähgut, Moose, Wildkräuter und Wurzeln bilden zwischen den einzelnen Grashalmen eine dichte Schicht von Pflanzenbestandteilen. Dieser zusammenhängende Bewuchs des Bodens durch Gräser und Kräuter wird auch „Grasnarbe“ bezeichnet, da der durch geschlossenen Pflanzenbestand und die Wurzeln einen festen Zusammenhalt bekommt.

Häufige Ursachen für die Entstehung von Rasenfilz sind unregelmäßiges Rasenmähen, liegen gelassenes Schnittgut nach dem Mähen und abgestorbene Pflanzenreste. Aber auch Wurzeln und Rhizome (ein i.d.R. unterirdisches, bzw. dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsensystem) können filzartig Verbindungen eingehen und zur Verfilzung der Gras- bzw. Rasendecke führen.

Rasenfilz: Folgen

Eine natürliche Grasnarbe ist  wichtig, um der Gesteins-Verwitterung, sowie Wasser- und Winderosionen einen Widerstand entgegenzusetzen. Auch setzen Pflanzenrückstände bei ihrer Zersetzung wichtige Nährstoffe für den Boden frei. Auf humusreichen Böden bauen Bakterien die organische Substanz relativ schnell, sodass die Gefahr einer Verfilzung hier eher gering ist.
Geht die Zersetzung allerdings nicht schnell genug vonstatten, z.B. weil sich der Rasen durch Belastung verdichtet hat oder durch zu stärke Vernässung luftarm ist, bildet sich zwischen Rasen und Boden eine  undurchlässige, verfilzte Rasenschicht, die eine Gefährdung für den Garten darstellen kann.

Warum? Weil diese Filzschicht verhindert, dass Licht, Luft, Wasser und Düngemittel nicht mehr durchdringen können. Damit werden auch alle darin enthaltenen Nährstoffe von den Wurzeln ferngehalten.

Je dicker der Rasenfilz, umso stärker werden Luftaustausch und Nährstoffversorgung des Bodens behindert. Und ein Rasen, der wenig Raum für die Bodenluft bietet ist auch als Pflanzenstandort äußerst ungünstig.  Denn die Gräser werden durch die mangelnde Aufnahmefähigkeit lebenswichtiger Nährstoffe geschwächt und sind weniger widerstandsfähig gegen Krankheiten. Schützende Hilfsmittel, wie Dünger, Insektizide und Fungizide sind in ihrer Wirksamkeit deutlich verringert und bieten Rasen-Erkrankungen und allerlei Schädlingen ein leichtes Spiel.

Doch starker Rasenfilz macht den Rasen nicht nur anfälliger für Erkrankungen und Schädlinge, sondern bringt auch Probleme beim Rasenmähen mit sich. So kann z.B. durch die verfilzte Rasenfläche ein Kahlschnitt entstehen oder einsinkende Räder in den Rasen das Mähen erschweren.

Zur Vorbeugung oder Behandlung von starkem Rasenfilz sind entsprechende Pflegemaßnahmen durchzuführen. Das regelmäßige und richtige Vertikutieren des Rasens hilft, Rasenfilz entgegenzuwirken und zu bekämpfen.

Rasen vertikutieren: Was ist das?

Der perfekte Rasen von Christa Lung

Quelle: Amazon

Der Begriff „Vertikutieren“ stammt ursprünglich aus dem Englischen und setzt sich aus den beiden Wörtern „vertical“ (vertikal, senkrecht) und „cut“ (schneiden) zusammen, weshalb man für Vertikutieren auch den Begriff „Senkrechtschneiden“ verwenden kann.
Das Verfahren des Vertikutierens wurde im Jahre 1955 von Thomas Mascaro entwickelt. Beim Vertikutieren wird die Grasnarbe einer Rasenfläche angeritzt, um den Rasen von Mulch, bzw. altem Schnittgut, Moos, Wildkräutern und verfilzten Gräsern zu befreien, die sich mit der Zeit im Rasen angesiedelt haben.

Das entsprechende Gartengerät heißt „Vertikutierer“ und verfügt über rotierenden Federstahlmesser oder Federn, die  senkrecht in den Boden schneiden. Das organische Material wird mithilfe der rotierenden Messer vertikal durchschnitten und anschließend entfernt. Elektrische Vertikutierer sind vor allem für große Rasenflächen empfehlenswert. Für kleinere Gärten eignet sich auch ein Handvertikutierer, der ohne Motorbetrieb und Kabel auskommt.

Die leichte Verletzung der Grasnarbe beim Vertikutieren, sowie die Herauslösung von Moos, Mährückständen und Rasenfilz fördert die Belüftung des Rasens. Der Rasen bekommt mehr Luft und kann endlich wieder atmen.

Gleichzeitig gelangen Licht, Wasser, Dünger und damit wichtige Nährstoffe wieder besser an die Wurzeln der Gräser, was zu einem dichteren Rasenwuchs führt. Durch das Vertikutieren wird der Rasen praktisch zu neuem Austrieb aktiviert. Ein dichterer Rasenwuchs bietet zudem den Vorteil, dass eine wiederholte Moosbildung eingeschränkt wird und das Wasser besser absichert.

Durch regelmäßiges und richtiges Rasen vertikutieren kann man lästigem Rasenfilz von Vornherein vorbeugen. Gerade bei verdichteten Böden sollte man mindestens einmal im Jahr vertikutieren. Ist die Gradnarbe bereits von starkem Rasenfilz betroffen, kann dieser nur durch wiederholtes Vertikutieren bekämpft werden.

Unterschied: Vertikutieren und Aerifizieren

Thomas Mascaro, der Erfinder des Vertikutierens,hatte 1946 bereits das mit dem Vertikutieren verwandte Aerifizieren erfunden. Trotz ähnlicher Handhabung gibt es wesentliche Unterschiede zwischen beiden Verfahren.

Unter Aerifizieren versteht man die Belüftung des Bodens einer Rasenfläche. Hierfür verwendet man ein mechanisches Aerifiziergerät, welches mittels Stacheln (sog. Spoons) 5 bis 9 cm tiefe Löcher mit einem Durchmesser von 1 bis 2 cm  in die Rasenfläche sticht.

Bei den Spoons unterscheidet man massive Stacheln und hohle Stacheln (sog. Hohlspoons). Massive Stacheln verdrängen die Erde lediglich und drängen sie nach unten und zu den Seiten hin platt. Nachteil: Der zusammengedrängte Boden weist eine geringere Durchlässigkeit auf, wodurch es in den Löchern zur Ansammlung von Regenwasser kommen kann. Mit Holstacheln hingegen werden die Erdkerne (Cores) aus dem Boden herausgestochen und im zweiten Arbeitsgang entweder mechanisch oder per Hand aufgeräumt werden. Hohlspoons sind dadurch bei der tiefenwirksamen Bodenlockerung effektiver.

Rasen von Hand aerifizieren

Rasen von Hand aerifizieren

Die Löcher, die beim Aerifizieren im Boden entstehen, werden nach der Behandlung wieder mit Sand aufgefüllt. Nach oder bereits während der Besandung wird oftmals zusätzlich Saatgut und Dünger beigemischt.

Durch das Aerifizieren wird der Boden aufgelockert. Es entsteht eine Art Drainage, die den ungehinderten Abfluss des Regenwassers und die Belüftung der Wurzeln ermöglicht. Der durch das Aerifizieren ermöglichte Gasaustausch wiederum fördert das Bodenleben der aeroben Bakterien, die zum Leben elementaren Sauerstoff (O2) benötigen und treibt das Rasenwachstum voran.

Das Aerifiziergerät kommt vor allem bei stark verdichteten Boden, wie z.B. Ton- oder Lehmböden zum Einsatz, bei denen es zu Staunässe und in Folge dessen zum Absterben von Wurzeln und Gras kommen kann. Auch Mooswachstum kann mit einem Aerifiziergerät kuriert werden.

Typische Einsatzgebiete für Aerifiziergeräte sind große Golf- und Fußballplätze. Für den Heimgebrauch werden üblicherweise Handaerifizierer verwendet, die bei Rasenflächen unter 200 Quadratmetern zu empfehlen sind.

Während das Aerifizieren der tiefenwirksamen Auflockerung und Drainage des Bodens dient, wird beim Vertikutieren nicht der Boden, sondern die Rasenoberfläche bearbeitet und belüftet. Das Aerifizieren und Vertikutieren können einander nicht ersetzen und gehen Hand in Hand.

Vor dem Aerifizieren, welches im Zeitraum von Mitte März bis Anfang Mai durchgeführt werden sollte, gilt es den Rasen zu vertikutieren und z.B. von kompostierenden Moosen zu beseitigen, damit das Problem mit der Staunässe nicht wieder von vorne beginnt.
Voraussetzung: Der Rasen muss überhaupt vertikutiert werden.

Muss mein Rasen vertikutiert werden?

Woran erkennt man nun, ob ein Rasen vertikutiert werden muss? Zunächst gilt es  die Grasnarbe genauer unter die Lupe zu nehmen, um den Rasenfilz korrekt zu diagnostizieren. Denn oftmals handelt es sich gar nicht um Rasenfilz, sondern lediglich um hartnäckige Pflanzenfaserschichten, die infolge falschen Mähens, Wässern oder Düngens entstehen und daher keine Behandlung mit dem Vertikutierer erfordern.

Zudem ist bei nahezu jedem Rasen eine dünne Schicht Rasenfilz vorhanden, die – sofern sie regelmäßig ersetzt wird – durchaus nützlich ist. Ein gut durchlüfteter Boden, Wärme und eine gleichmäßige Wasserversorgung sind hierbei wichtige Voraussetzungen für die optimale Zersetzung der Mährückstände.

Erst, wenn der Rasenfilz eine Dicke von 1 bis 1,5 cm aufweist, ist eine Entfernung dieser Pflanzenfasern durch Vertikutierung des Rasens erforderlich. Vor allem schwere und luftarme Böden, die zu Staunässe neigen, sowie schattige Rasenflächen sind besonders anfällig für die Bildung von Rasenfilz.

Ob es tatsächlich Zeit für den Vertikutierer wird, ist gut erkennbar: Einfach mit einer kleinen Metallharke locker durch die Grasnarbe ziehen. Bleiben alte Mährückstände oder ganze Moospolster an den Zinken hängen? Wenn ja, ist dies ein Zeichen dafür, dass bereits eine dicke Schicht Rasenfilz vorliegt.

Ist der Rasen von starkem Unkrautbewuchs befallen? Auch dies kann ein Indiz für eine Wachstumshemmung der Rasengräser infolge eines Nährstoffmangels oder einer nicht ausreichenden Sauerstoffversorgung durch Rasenfilz sein.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Vertikutieren?

Grundsätzlich ist das Vertikutieren des Rasens in unseren Breiten von April bis September möglich. Da der Rasen nach dem Vertikutiervorgang einige Wochen zur Regeneration benötigt sollte er daher möglichst geschont und nicht intensiv genutzt werden. Daher ist ein Vertikutiervorgang im Frühling und/oder Spätsommer empfehlenswert.

Im Frühling sind die Böden meist abgetrocknet und Temperaturen ab ca. 8 Grad lassen den Rasen wachsen. Nach dem Zeitraum zwischen Mitte April und Anfang Mai ist der Rasen besonders regenerationsfähig, weshalb der wichtigste Zeitraum zum Vertikutieren  das Frühjahr ist. Wichtig: Der Boden sollte trocken sein, damit das Vertikutieren einfacher von der Hand geht und der Rasen nicht zusätzlich strapaziert wird. Auch sollte das Gras bereits gut erkennbar wachsen und vor dem Vertikutieren möglichst noch gemäht werden. Selbst, wenn man den Rasen bereits zwei oder dreimal geschnitten hat, ist ein Vertikutieren möglich.

Neben dem Vertikutieren im Frühling, kann die Prozedur im Spätsommer, bzw. zeitigen Herbst ein zweites Mal, jedoch diesmal weniger intensiv, wiederholt werden. Ein zweiter Vertikutiervorgang ist vor allem in sehr regenreichen Sommern empfehlenswert oder um den Rasen vor Schnee und Frost im Winter noch einmal fit zu machen. Dabei wird unerwünschtes, im Sommer gewachsenes Moos entfernt, um den Rasen wieder saftig und gesund aussehen zu lassen.

Der richtige Zeitpunkt zum Vertikutieren im Herbst ist von Ende August bis September, spätestens jedoch Anfang Oktober.

Welcher Vertikutierer für welchen Garten?

Bei den Vertikutiergeräten lässt sich, ähnlich wie bei Rasenmähern, zwischen Handvertikutierer, Elektro-Vertikutierer und Benzin-Vertikutierer unterscheiden. In der Funktion haben alle Geräte gemeinsam: Sie verfügen über eine horizontal eingebaute Spindel oder Achse, die in kurzen Abständen mit starren oder rotierenden Messern wenige Millimeter senkrecht in die Grasnarbe einschneidet und dabei Moos, abgestorbene Gräser usw. aus der Rasenoberfläche entfernen.  Beim Antrieb kann man zwischen Hand, Strom und Benzin wählen. Welches Gerät für den eigenen Garten empfehlenswert ist, hängt von der Größe der Rasenfläche ab.

Für kleine Rasenflächen genügt ein von Hand betriebenes Vertikutiergerät, welches ohne Strom, Benzin und Kabel auskommt und über den Rasen geschoben wird. Handvertikutierer bieten den Vorteil, dass sie besonders leise und mitetwa 20 bis 50 Euro recht preiswert sind. Die Auswahl reicht an Pendel-Vertikutierer, deren pendelnd gelagerter Vertikutierkamm für weniger Kraftaufwand sorgt bis hin zu Roll-Vertikutierern mit leicht laufenden Rädern.
Handvertikutierer verfügen über gehärtete Spezialmesser in Widerhakenform und ermöglichen Hobbygärtnern auch ohne Elektro- oder Benzinbetrieb das einfache Herausziehen von Disteln, Löwenzahn und sonstigen tiefwurzelnden Unkräutern. Nachteil: Das Vertikutiergut muss anschließend auch von Hand wieder aufgesammelt werden.

Für den heimischen Garten und kleine Rasenstücke reichen Handvertikutierer i.d.R. völlig aus und stellen für den einen oder anderen Gartenbesitzer auch eine willkommene sportliche Übung dar, da sie allein durch Muskelkraft bewegt werden. Da diese allerdings sehr anstrengend werden kann, sind handbetriebene Vertikutiergeräte nur für Rasenflächen mit wenigen Quadratmetern zu empfehlen.

Gut geeignet für mittlere bis große Rasenflächen (250 bis 800 m²), jedoch wesentlich schneller und bequemer, als der von Hand betriebene Vertikutierer, ist der Elektro-Vertikutierer. Wer sich die Muskelkraft sparen will, kann sich die Vertikutierarbeit mit einem elektrisch angetriebenen Vertikutierer mit rotierenden Messern erleichtern. Die Leistung bei Elektrovertikutierern reicht von 500 bis 2.000 Watt. Je mehr Leistung, umso durchzugsstärker sind die Vertikutiermesser und umso sauberer wird der Schnitt.

Die Preise für einen Elektro-Vertikutier beginnen ab ca. 70 Euro, steigen im mittleren Preissegment auf 200 bis 400 Euro und können bei sehr hochwertigen Geräten jedoch auch über 700 Euro erreichen.

Die Handhabung ist aufgrund des Stromkabels etwas umständlicher, als beim Handvertikutierer, da elektrobetriebene Vertikutiergeräte vom Haus, bzw. Stromanschluss abhängig sind. Wenn man allerdings bedenkt, dass der Elektro-Vertikutierer lediglich ein bis zweimal jährlich zum Einsatz kommt, kann man über dieses kleine Manko schnell hinwegsehen.

Das geringe Gewicht, die vier Räder und ein  ergonomisch geformter Führungsholm mit integrierter Höhenverstellung sorgen dafür, dass mit dem Elekto-Vertikutierer auch über längere Zeit ermüdungsfreies Arbeiten möglich ist. Auch kann die Arbeitstiefe der Walzen in mehreren Stufen an den jeweiligen Untergrund angepasst werden.

Die Geräte verfügen neben einer Vertikutierwalze, die hartnäckiges Moos und Unkraut mitsamt den Wurzeln entfernt, oftmals auch zusätzlich über eine Lüfterwalze, die die Rasenoberfläche zur besseren Wasserdurchlässigkeit und Nährstoffaufnahme aufritzt. Viele Elektro-Vertikutierer lassen sich so in nur wenigen Handgriffen vom Vertikutierer zum Lüfter umbauen.

Viele Elektro-Vertikutierer verfügen über einen Auffangkorb, der das Vertikutiergut im Fangsack aufgesammelt. Weitere Vorteile des Elektro-Vertikutierers sind, dass er im Vergleich zu benzinbetriebenen Geräten weniger Lärm verursacht, worüber sich die Nachbarschaft freut. Auch aus ökologischer Sicht ist ein Vertikutierer mit Elektromotor dem Benzin-Vertikutierer vorzuziehen, da er weniger Abgase und damit weniger Emissionen freisetzt.

Dennoch gibt es auch Gründe, die für einen benzinbetriebenes Vertikutiergerät sprechen. So verfügen Elektro-Vertikutierer über keine allzu große lange Leistungsdauer und müssen je nach Quadratmeterfläche des Gartens nach einiger Zeit abkühlen. Auch kann die Schnitttiefe nicht allzu groß gewählt werden, da der Motor sonst zur Überhitzung neigt und Schaden nehmen könnte.

Günstigere Elektro-Vertikutierer verfügen i.d.R. über ein geringeres Gewicht, welches auf harten Böden das Eindringen der Messer in die Grasnarbe erschwert und zum „Hoppeln“ des Geräts führen kann. Gerade bei größeren Rasenflächen kann dies äußerst unangenehm sein. Abhilfe verschafft man sich durch das Beschweren des Elektro-Vertikutierers (z.B. mit einem Sandsäckchen) oder durch den Kauf eines teureren, dafür aber schwereren und stabileren Geräts. Grundsätzlich gilt: Je größer die Rasenfläche, umso mehr lohnt es sich, in ein qualitativ hochwertiges Vertikutiergerät zu investieren.

Für große Rasenflächen (800 bis 1.500 m²), stark verfilztem Rasen oder bei nicht vorhandenem Stromanschluss sind motorgetriebene Benzin-Vertikutierer die erste Wahl. Anders, als beim Elektro-Vertikutierer, benötigen sie kein Stromkabel und können so bequem rangiert werden. Man muss weder eine Kabeltrommel ab- und wieder aufwickeln, noch darauf achten, dass Pflanzen durch das Kabel umgeknickt werden. Stattdessen bietet die Freiheit ohne Kabel beim Rasen vertikutieren größtmögliche Unabhängigkeit vom Haus und der Stromversorgung. Ist der Benzinkanister allerdings leer, ist auch kein Vertikutieren mehr möglichen, während die Stromversorgung per Kabel kein „Auftanken“ benötigt.

Von allen Vertikutiergeräten leisten Benzin-Vertikutierer aufgrund ihrer starken Motoren am meisten. Die Leistung von Benzin Vertikutierern reicht von 1.300 bis 4.900 Watt. So arbeiten Profivertikutierer mittlerweile mit mehreren PS (1 PS = 735,5 W. Die Geräte bringen zudem das nötige Gewicht mit, damit die Messer auch auf schweren, trockenen Böden effektiv in die Grasnarbe schneiden können und bewältigen dank größerer Schnitttiefe auch starken und tief sitzenden Rasenfilz.

Der Komfort, dass ein wendiger Benzin-Vertikutierer das Wesentliche fast wie von selbst tut, hat jedoch auch seinen Preis. Je nach Gerät und Leistung muss man mit Anschaffungskosten zwischen 200 und 700 Euro rechnen. Damit starten Benzin-Vertikutierer preislich im mittleren Segment der Elektro-Vertikutierer.

Für größere Rasenflächen kann sich die Anschaffung eines benzinbetriebenen Vertikutierers durchaus lohnen, kleine und mittlere Gärten benötigen i.d.R. keinen Vertikutierer mit mehreren PS.

Tipps zum Kauf des richtigen Vertikutierers

Unabhängig von der von der Antriebtechnik und den persönlichen Vorlieben des Gartenliebhabers gibt es beim Kauf eines Vertikutiergeräts einiges zu beachten.
Ein guter Vertikutierer sollte, egal, ob er per Hand, Strom oder Benzin angetrieben wird, verwindungsfrei geschoben werden können. Das bedeutet, dass das Material stabil genug sein sollte, sich Verformungen zu widersetzen. Dies garantiert insbesondere bei Kurvenfahrten ein spurtreues Fahrvergnügen. Die Verwindungsfreiheit und Robustheit ist für die Langlebigkeit des Vertikutierers ausschlaggebend. Es lohnt sich daher, das Gerät vor dem Kauf ausgiebig zu testen, bzw. es bei Anzeichen für Instabilität nach dem Heimgebrauch zurückzugeben.

Ein Handvertikutierer ist zwar relativ leicht, allerdings auch mit dem höchsten Krafteinsatz verbunden. Dies gilt vor allem für Vertikutierrechen – Je breiter der Rechen, umso mehr Kraft muss man aufwenden. Zwar sind die Vertikutiermessern im Vergleich zu normalen Rechen größer und stehen weiter auseinander, was das Vertikutieren wesentlich erleichtert, allerdings geht die Arbeit sehr in die Arme und den Rücken. Wer das Vertikutieren als Sportart ansieht, sollte beim Vertikutierrechen darauf achten, dass er die Rasenoberfläche nur leicht ankratzt und nicht zu tief in den Boden eindrückt.

Etwas komfortabler sind da Pendel-Vertikutierer, deren pendelnd gelagerter Vertikutierkamm etwas weniger Kraftaufwand erfordert. Zudem hat der Pendel-Vertikutierer ohne Räder den Vorteil, dass der Bodenkontakt auch bei Unebenheiten erhalten bleibt und die Klingen nicht in der Luft hängen. Er lässt sich somit auch punktuell gut einsetzen. Durch die Pendelbewegung kann das Vertikutierguts nach jedem Durchzug durch das Zurückstreichen in die Gegenrichtung einfach auf dem Boden zurückgelassen werden. Das Säubern der Stahlzähne per Hand entfällt, was wiederum viel Zeit erspart.

Personen mit Rückenschmerzen greifen lieber zu Vertikutierern auf Rädern, die zwar immer noch einen gewissen Muskelaufwand erfordern, dafür aber kräfteschonender sind. Geräte mit zwei Rädern sind wendiger, Vertikutierer mit vier Rädern sind jedoch sicherer in der Einhaltung der Schnitttiefe.

Beim Kauf eines Rollvertikutierers ist darauf zu achten, dass das Gerät über große Räder verfügt. Bei zu kleinen Rädern können längere Gradhalme und Bodenunebenheiten die Arbeit erschweren, weil sich der Vertikutierer dann nicht mehr problemlos über den Rasen schieben lässt. Der Durchmesser der Räder sollte zwischen 15 und 20 Zentimetern liegen. Auch sollten die Räder stabil aufgehängt sein und nicht wackeln.

Vorteil des Vertikutier-Rollers ist die Möglichkeit, die Tiefe der Klingen in den Boden anhand des Anstellwinkels beim Ziehen zu beeinflussen. Allerdings ist ein Vertikutierer auf Rollen für unebene Flächen ungeeignet und kann bei Feuchtigkeit zum Verkleben der Räder mit dem Boden führen. Daher ist es wichtig, immer nur auf trockenem Boden zu vertikutieren (siehe Vertikutieren Vorbereitung).

Um zu regulieren, wie tief die Messer in den Boden einschneiden, ist beim Kauf darauf zu achten, dass der Vertikutierer über eine Tiefen-, bzw. Höheneinstellung verfügt. Die Einstellung der Schnitttiefe kann entweder über die Höhenverstellung der Räder oder die Veränderung der Messerachse vorgenommen werden.

Je nachdem, ob man den Rasen nur belüften möchte oder starken Rasenfilz entfernen will, muss der Vertikutierer tiefer in die Rasenoberfläche einschneiden. Beim Kauf eines Vertikutierers sollte man darauf achten, dass die Höhenverstellung leicht erreichbar ist und idealerweise gleich am Holz angebracht ist, sodass der Rücken verschont bleibt. Beim Elektor- und Benzinvertikutierer lässt sich die Messerwelle, bzw. Vertikutierer-Tiefe,  in verschiedenen Stufen oder stufenlos verstellen.

Neben der Schnitttiefe, ist die Schnittbreite ein weiteres Kriterium beim Kauf eines Vertikutiergeräts. Die Arbeitsbreite der meisten Geräte liegt dabei zwischen 30 und 50 cm. Größere Schnittbreiten haben den Vorteil, dass man mit ihnen eine größere Fläche bearbeiten kann und dadurch Zeit spart. Allerdings erfordern Geräte mit einer größeren Arbeitsbreite auch eine entsprechend größere Motorleistung und sind dadurch oftmals teurer. Für mittelgroße Rasenflächen bis 250m² reichen Elektro-Vertikutierer mit einer Schnittbreite von etwa 30 cm Arbeitsbreite vollkommen aus.

Schmalere Vertikutierer mit kleinen Schnittbreiten hingegen punkten mit der einfacheren Manövrierfähigkeit und benötigen weniger Stellfläche in der Gartenlaube, Garage oder im Keller. Eine höhere Schnittbreite lässt daher nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Qualität des Vertikutierers zu. Je nachdem, wie die zu bearbeitende Rasenfläche angeordnet ist und je nach Größe kann eine höhere oder niedrigere Schnittbreite vorteilhaft sein.

Bei der Wahl des passenden Vertikutierers werden oftmals Geräte mit Auffangkorb (Fassungsvermögen bis zu 90 Liter) empfohlen, bei denen das entfernte Moos und Unkraut direkt im Fangsack aufsammelt wird. Da die Messerwelle jedoch aus kleinen, schmal angeordneten Messern besteht, können diese keinen großen Luftstrom produzieren, wie es z.B. beim Rasenmäher der Fall ist. Das Ergebnis: Der Rasenfilz kann nicht effektiv gefördert werden, sodass ein Teil des Schnittguts nicht im Auffangkorb landet. Daher muss man auch bei Geräten mit Fangsack oftmals nacharbeiten und den Filz per Hand, mit der Harke oder mit dem Laubbesen aufsammeln.

Der Auffangkorb eines Vertikutierers verspricht also nicht immer auch weniger Arbeitsaufwand. Angesichts des höheren Preises, der für Geräte mit Fangsack gefordert wird, lohnt sich dieses Extra meistens nicht.

Viel wichtiger, als ein Fangsack ist das eingesetzte Material. Hochwertige Messer sind das wohl wichtigste Kriterium beim Kauf eines Vertikutierers, schließlich übernehmen sie auch die Arbeit. Ein scharfer Schnitt ist beim Rasen vertikutieren das A und O. Qualitativ minderwertige Messer verschleißen mehr, werden schneller stumpf und erzielen kein optimales Ergebnis mehr.

Bei den Vertikutiermessern sollte man daher keine Kompromisse eingehen und immer zu Markenware greifen, die über speziell geformte, feststehende Edelstahlmesser verfügen. Beim Kauf eines Vertikutierers kann man das Gerät auf die Seite drehen und sich die Schneiden anschauen, die scharfe Klinge aber nicht mit den Fingern berühren. Finger von Billignachbauten, diese haben einen hohen Verschleiß, sodass man unterm Strich oft draufzahlt!

Zum Draufzahlen kann es auch schnell im Reparaturfall oder bei der Ersatzteilfrage kommen. Hier sollte man sich vor dem Kauf vom Fachhändler des Vertrauens beraten lassen und überprüfen, wie teuer die Reparatur, bzw. die Ersatzteile für den Vertikutierer wären. Fällt die Entscheidung auf einen Elektor- oder Benzinvertikutierer sollte zudem die Sicherheit des Geräts in die Kaufentscheidung einfließen. Moderne Elekto- und Benzinvertikutierer bieten in puncto Überlastungsschutz, Kabelführung und Bügeltastschaltung Sicherheit in der Anwendung.

Grundsätzlich sind bei jedem Vertikutierkauf Kriterien, wie das Arbeitsergebnis, die Wirtschaftlichkeit, Langlebigkeit, sowie die Sicherheit des Gerätes gründlich abzuwägen. Teure Geräte sind nicht zwangsläufig die Besseren, vielmehr gilt es einen Vertikutierer zu finden, der auf die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gegebenheiten des Rasens zugeschnitten ist.

Alternative zum Kauf: Vertikutierer mieten

Teure Elektro- und Benzinvertikutierer müssen nicht immer gleich gekauft, sondern können im Fachhandel auch gemietet werden. Vorteil: Man spart sich die hohen Anschaffungskosten und benötigt keinen Platz für ein weiteres Gartengerät.

Das Mieten eines Vertikutierers lohnt sich vor allem dann, wenn er selten eingesetzt wird. Die Investition lohnt sich meist erst, wenn man zweimal jährlich vertikutiert und die Rasenfläche entsprechend groß ist.

Wer sich als Hobbygärtner die Gartenarbeit erleichtern und nicht zum Handvertikutierer greifen möchte, findet im Baumarkt meistens stabile und neue Profigeräte zum Mieten.

Die Verleihpreise sind aufgrund der besonderen Beanspruchung vergleichsweise niedrig und so lässt sich das Projekt Vertikutieren ohne große Investition kostengünstig realisieren.

Vertikutieren: Vorbereitung

Ein Rasen sollte grundsätzlich nur dann vertikutiert werden, wenn er es nötig hat. Bei Neurasen gilt, dass man innerhalb der ersten drei Jahre nicht vertikutieren sollte. Erst ab einem Alter von drei Jahren sind die Wurzeln der Gräser stark und der Rasenteppich stabil genug, um gegen die Vertikutiermesser bestehen zu können.

Vor dem Griff zum Vertikutierer sollte möglichst trockenes Wetter vorherrschen und die Außentemperatur mindestens 8 Grad betragen. Bei Frost sollte grundsätzlich nie vertikutiert werden, da der Boden viel zu hart ist. Im heimischen Garten kann man den Saisonstart zum Vertikutieren gut an der Narzissenblüte erkennen. Stehen die Zwiebelblumen bereits in voller Blüte, ist auch der Rasen imstande, Nährstoffe gut aufzunehmen und zu verwerten.

Zum Vertikutieren sollte das Gras bereits gut erkennbar wachsen. Bevor man vertikutiert, sollte der Rasen jedoch entsprechend vorbereitet werden. Als erste Maßnahme können abgestorbene und verklebte Pflanzenrückstände mit einem Laubrechen oder Straßenbesen von der Rasenoberfläche abgetragen werden.

Da der Rasen durch den Sonneneinfluss und die Temperaturentwicklung im Frühjahr zur aktiven Aufnahme von Nährstoffen stimuliert wird, sollte bereits ab Mitte März die Frühjahrsdüngung durchgeführt werden. Hierfür eignen sich etwa 30 g/m²  eines stickstoffbetonten Rasendüngers aus dem Fachmarkt.

Das Düngen im zeitigen Frühjahr regt den Stoffwechsel und die Wurzelentwicklung an, unterstützt die Triebkraft der Gräser und trägt zu einer raschen und nachhaltigen Ergrünung der Rasenfläche bei.

Zu frühes Vertikutieren und eine ungenügende Vorbereitung des Rasens auf diese menchanische Bearbeitung kann zu Schäden führen. Der Rasen ist nach der Winterruhe ohnehin geschwächt, die senkrechten Schnitte eines Vertikutierers, bei denen zahlreiche  Blatt- und Stängelteile abgetrennt und entfernt werden, bedeutet zunächst einen massiven Eingriff in die Pflanzenentwicklung. Zwar regt der mechanische Reiz die Gräser zur Bildng neuer Triebe und Blätter an (Bestockung), doch um die Bildung neuer Seitentriebe anzuregen, müssen mit der nötigen Temperatur und einer ausreichenden Nährstoffversorgung die entsprechenden Wachstumsbedingungen gewährleistet sein.

Düngt man den grünen Teppich etwa zwei Wochen vor dem Vertikutieren, können sich die vorbereiteten Gräser schnell bestocken. Zudem ist der Rasen dank der optimalen Nährstoffversorgung in der Lage, sich deutlich schneller vom Vertikutieren zu regenerieren, sodass die Spuren des Vertikutierers wieder innerhalb weniger Wochen verschwinden.
Etwa 7 bis 10 Tage nach der ersten Düngung sollte dann der erste Rasenschnitt auf Normalhöhe (3,5 – 4,5 cm)erfolgen. Die Kürzung einiger Blattspitzen säubert die Rasenoberfläche und lässt sie gleichmäßiger erscheinen. Der Vertikutiervorgang ist auch noch nach dem  zweiten oder dritten Rasenschnitt möglich.

Vor dem Vertikutieren muss der Rasen möglichst kurz gemäht werden. Ideal ist eine Schnitthöhe zwischen 2 und 4 cm. Anschließend ist das Mähgut von der Rasenoberfläche zu entfernen. Es empfiehlt sich, den Rasen einen Tag vor dem Vertikutieren zu mähen, damit er sich nach dem kurzen Mähschnitt erholen kann.

Je nach Witterungsverlauf ist die erste Frühjahrsdüngung früher oder später angebracht. Sollte sehr trockenes Wetter vorherrschen, kann der Rasen nach dem Mähen einmal kräftig gegossen werden, um neue Kraft für das bevorstehende Vertikutierprogramm zu schöpfen.

Zu lange sollte man sich mit dem Düngen jedoch nicht Zeit lassen, da der Mai in den vergangenen Jahren bereits sehr warm und trocken war,  was eine zusätzliche Bewässerung erforderlich macht, damit sich die Grasnabe wieder schnell schließen konnte. Je früher man mit der Startdüngung im Frühjahr beginnt, umso zeitiger kann der Rasen vertikutiert werden.

Grundsätzlich sollte man nur trockene Rasenflächen vertikutieren. Ist der Boden sehr nass und aufgeweicht, kann es passieren, dass beim Vertikutieren die komplette Grasnarbe erfasst und herausgezogen wird. Ein gut abgetrockneter Boden erleichtert zudem das Vertikutieren und schont zudem das Gartengerät. Außerdem wird verhindert, dass die beim Vertikutieren entstehenden Rillen in der Rasenoberfläche sofort wieder zugetreten werden.

Bevor man mit dem Rasen vertikutieren startet, gilt es die Arbeitstiefe des Vertikutierers richtig einzustellen. Zur Ermittlung der Arbeitstiefe stellt man den Vertikutierer so auf den Rasen, dass die Vertikutiermesser den Boden gerade so berühren. Nun fährt man mit dem Vertikutierer bei laufendem Motor ein kleines Stück auf dem Rasen hin und her und stellt die Arbeitstiefe dabei so ein, dass die Messer den Boden gerade noch einschneiden.

Nachdem das Vertukutiergerät in die richtige Ausgangsposition gebracht wurde, gilt es nun im zweiten Schritt die richtige Schnitttiefe einzustellen. Um den Rasen schonend zu vertikutieren, sollte die Schnitttiefe in den Boden zwischen 3 und 5 mm betragen. Die richtige Arbeitstiefe für den eigenen Rasen ist von drei Faktoren abhängig: dem Ausmaß der Rasenverfilzung, dem Grad der Bodenverdichtung und dem Alter der Rasenfläche. Grundsätzlich gilt: Je verfilzter der Boden, umso tiefer kann man beim Vertikutieren gehen.

Bei gepflegten Rasenflächen reicht eine Schnitttiefe von etwa 3 mm, während man bei verwildertem Rasen eine Schnitttiefe von ca. 5 mm einstellen kann. Die richtige Schnitttiefe ist dann erreicht, wenn die Verfilzung zwar aufgeschnitten wird, die tiefen Rasenwurzeln aber nicht beschädigt werden.

Wer sich nicht sicher ist, sollte sich an einen weiteren Vertikutier-Grundsatz halten, der da lautet: Lieber im Abstand von einigen Wochen mehrmals zu hoch vertikutieren, als einmal zu tief!

Rasen richtig vertikutieren. So geht´s

Zum Vertikutieren wird das Gerät zügig Bahn für Bahn über die Rasenfläche geführt. Bei der Bewegung zerschneiden die schnell rotierenden senkrechten Messer des Vertikutierers die Grasnarbe und den Rasenfilz. Alle Verflechtungen, die der Rasen beim Wachstum entwickelt, werden beim Vertikutieren aufgeschnitten. Gleichzeitig werden die Gräser zu neuen Austrieb angeregt, sowie Unkräuter und Moose dezimiert.Um die Grasnarbe nicht zu stark zu beschädigen, sollte man nicht zu lange an einer Stelle verbleiben.

Das Vertikutiergerät sollte immer nur in eine Richtung – entweder längs oder quer – bewegt werden. Der Moosbefall entscheidet hierbei, wie vertikutiert wird. Bei einem gepflegten Rasen mit wenig Moos reicht es in der Regel aus, nur in eine Richtung, bzw. in Längsbahnen zu vertikutieren. Auf dem Rasen hinterlässt der Vertikutierer ein Streifenmuster. Beim Richtungswechsel, bzw. Wenden sollte der Führungsholm nach unten gedrückt werden, damit sich die Messer in der Luft befinden.

Um eine schonende Vertikutierung zu erreichen, kann man den Rasen bei der nächsten Prozedur in die entgegengesetzte Richtung bearbeiten. Hat man den Rasen im Frühjahr also in Längsrichtung vertikutiert, vertikutiert man im Herbst oder im Früjahr des nächsten Jahres in Querrichtung.

Bei starkem Moosbefall kann die Prozedur unmittelbar wiederholt und der Rasen in beide Richtungen vertikutiert werden. Dies ist allerdings nur dann nötig, wenn der Rasen sehr vernachlässigt, bzw. vermoost und ggf. mehrere Jahre nicht vertikutiert wurde. In dem Fall sollte man ihn sowohl in Längs-, als auch in Querbahnen bearbeiten, sodass ein feines Schachbrettmuster entsteht. Bei sehr starkem Moosbefall kann der Vorgang auch nach 3 bis 4 Wochen wiederholt werden.

Vor allem nach intensivem Vertikutieren in Längs- und Querrichtung sieht der Rasen nach der Prozedur sehr zerzaust und mitgenommen aus. Das ist normal. Die Fläche benötigt jetzt eine gewisse Zeit, bis sie sich wieder regeneriert. In der Regel wächst der Rasen jedoch schnell (in spätestens drei Wochen) wieder nach, da Licht, Luft, Wasser und damit alle wichtigen Nährstoffe nun schneller an die Rasenwurzeln gelangen. Auch trocknet die Erdoberfläche schneller ab, sodass Staunässe vermieden wird. Durch das Vertikutieren sieht der Rasen also bald wieder dicht, kräftig, schön und gesund aus.

Solange der Boden nicht gefroren ist, kann der Rasen während der Gartensaison (von März bis Oktober) mehrfach vertikutieren werden. Ob, wann und wie oft ein Rasen vertikutiert werden sollte, hängt jedoch von seinem individuellen Zustand ab.

Vertikutiergut entsorgen

Beim Vertikutieren wird relativ viel Moos und Rasenfilz herausgeschnitten. Wenn der Vertikutier einen Grasfangkorb besitzt, lässt sich der Großteil des organischen Abfalls unmittelbar in der Komposttonne entsorgen. Falls nicht, muss das Vertikutiergut von Hand gründlich abgeharkt und von der Rasenfläche entfernt werden. Bei größeren Mengen an Vertikutiergut kann auch der gebührenpflichtige Laubsack genutzt und am Leerungstag der Komposttonne zur Abholung bereitgestellt werden.

Alternativ zur Entsorgung in der Bio- oder Restmülltonne kann das Vertikutiergut (Moos, Rasenfilz) sehr gut ausgetrocknet auch hervorragend als Mulchmaterial Verwendung finden. Unter Staudenbeeten oder Sträuchern hält es die Wurzeln kühl, vermindert den Feuchtigkeitsverlust des Bodens und bremst den Unkrautwuchs.

Voraussetzung ist, dass sich im Vertikutiergut kein Wurzelunkraut befindet, welches dann an unerwünschten Stellen im Garten, nämlich dort, wo der fertige Kompost aufgebracht wird, weiterwächst. Die Wurzeln werden in der Regel nicht komplett abgetötet, somit würde das Wurzelunkraut weiterwachsen. Zu den bekannten Wurzelunkräutern zählen Quecke, Giersch und der Ackerschachtelhalm.

Solange sich im Vertikutiergut keine Wurzelunkräuter befinden, ist das Vertikutiergut in dünnen Lagen auch auf dem Komposthaufen gut aufgehoben. Sollten im Vertikutiergut Wurzelunkräuter enthalten sind, eignet es sich nicht zum Kompostieren. Besser ist es, den Abfall dann auf trockener Fläche austrocknen und mit Brennnesseln zu Jauche vergären zu lassen.

Enthält das Vertikutiergut einen hohen Anteil an Moosen, können die Beimischung von Kalk oder stickstoffreichen, organischen Düngern den Zersetzungs- und Verrottungsprozess fördern. Bei sehr trockenem Vertikutiergut helfen Schichten zerkleinerter, in Regenwasser getränkter Katonagen oder Wellpappe, welche die für die Zersetzung notweniges Wasser speichert. Auch kann der beim Vertikutieren angefallene Abfall mit anderen Gartenabfällen gemischt werden, um die Durchlüftung und Kompost-Rotte zu fördern.

Rasenpflege nach dem Vertikutieren

Nach dem Vertikutieren sieht die Rasenfläche wenig ansehnlich aus. Je nach Moosbefall hat der Vertikutiervorgang unschöne braune Stellen mit nur wenig Rasen zur Folge. Die raselosen Stellen wachsen zwar nach und nach wieder zu, allerdings ist es je nach Zustand und Alter des Rasen ist es jetzt empfehlenswert, weitere Pflegemaßnahmen vorzunehmen.

Einige Vertikutiergeräte arbeiten mit einem zusätzlichen Lüfter, sodass in einem Arbeitsvorgang vertikutiert und aerifiziert werden kann. Beim Rasen Lüften werden mittels sog. Spoons 5 bis 9 cm tiefe Löcher in die Rasenfläche gestochen, welche die Belüftung des Bodens fördern sollen. Alternativ zu Kombi-Geräten oder speziellen Aerifiziergeräten eignen sich Nagelschuhe, mit denen man über den Rasen läuft und mit den Nagelspitzen Löcher in den Boden bohrt. Anschließend wird der Boden mit scharf gewaschenem Sand besandet. Durch das nachfolgende Besanden wird der Luftaustausch gefördert, damit die Rasenwurzeln mehr Sauerstoff bekommen. Dadurch wird die oberste Bodenschicht besser durchlüftet, trittfester und wasserdurchlässiger.

Vertikutieren und Aerifizieren können im Rahmen der Frühjahrs-Rasenpflege Hand in Hand gehen. Eine Bodenbelüftung ist vor allem bei schweren oder tonartigen Böden zu empfehlen, die zur Verdichtung neigen. Denn angestaute Feuchtigkeit im Rasen ein wesentlicher Grund für Moosbewuchs.

Der Boden kann nach dem Vertikutieren auch ohne das vorherige Bohren von Löchern besandet werden. Hierzu wird eine dünne Schicht (ca. 0,5 cm) feinkörniger Sand (Körnung von max.2 mm) über der Rasenfläche verteilt, die vom Regen aufgeschwemmt und von Regenwürmern untergraben wird. Auch bei diesem Vorgang wird der Lufthaushalt des Bodens verbessert. Das Bestreuen der Rasenfläche mit San ist weniger aufwendig, allerdings wird der Boden auch nicht so tief belüftet, wie bei künstlich zugefügten Löchern.

Das Aerifizieren empfiehlt sich vor einem saisonalen Wachstumsschub des Rasens, also im Zeitraum von Mitte März bis Anfang Mai. Ähnlich, wie beim Vertikutieren kann man in der Herbstsaison von September bis Mitte Oktober einen zweiten Aerifiziervorgang anschließen.

Die Belüftung und Besandung des Bodens kann bei stark belasteten Böden auch zwischendurch erfolgen. Zum Sanden sollte allerdings ausschließlich gewaschener und geprüfter Quarzsand verwendet werden, da lehm- und kalkhältiger Sand sich nach kurzer Zeit wieder von neuem verdichtet.

Bei großen, ausgerupften Lücken oder älterem Rasen ist es zuweilen notwendig, frische Rasensaat auszustreuen, um den Regenerationsvorgang zu beschleunigen. Bei den nächsten Mähgängen sollte eine Schnitthöhe über 4,5 cm gewählt werden und nur mit scharfem Messer gemäht werden, damit die die jungen Graspflanzen nicht ausgerissen werden.

Nach dem Vertikutieren, Besanden und Nachsäen empfiehlt es sich, den Rasen zu düngen. Ein stickstoffhaltiger Langzeitdünger ist die beste Wahl. Einige dieser Rasendünger enthalten zusätzlich ein Mittel gegen den Unkrautbewuchs.

Bei anhaltend trockenem Wetter sollte man dem Rasen eine kräftige Dusche mit dem Wasserschlauch gönnen, damit er sich schnell wieder regenerieren kann. Um sich ungestört von der strapaziösen Rasenpflege zu erholen, sollte der Rasen anschließend für einige Zeit nicht mehr betreten werden.

Der verbesserte Licht-, Luft-, Wasser- und Nährstoffaustausch trägt zu einer wesentlichen Gesundung der Bodenstruktur. Wer seinen Rasen regelmäßig pflegt, darf sich über einen kräftigen Rasenwuchs und einen sattes Grün freuen – Was will man als Gartenliebhaber mehr?